Günter Eich Preis

Der Lautsprecher kennt kein stummes Spiel, er kann nicht schweigen. Ich hänge dem Schweigen an, vielleicht eine Generationsfrage. Meine unbewusste Aufgabe war es immer, das notwendige Schweigen in Dialog, in Worte zu übersetzen und so, dass es den Charakter des Schweigens nicht verliert. Dieses Paradox besteht im Hörspiel als dramaturgische Notwendigkeit. Das ist für mich die Legitimation des Apparats, das was ihn menschlich macht. Er hat freilich heute ohnehin schon etwas Vertrautes, fast etwas Behäbiges, ähnelt darin der Postkutsche. Jedenfalls ist es ein Mangel des Apparats, der ihn fruchtbar macht. Vorm Fernsehschirm, für den ich viel Zeit verwende, habe ich einen fruchtbaren Mangel noch nicht entdeckt. Manchmal hat es den Anschein, als ginge die Stunde des Hörspiels zu Ende. Das wäre etwas, was die Welt ärmer machte. Das Hörspiel darf nicht sterben.
Aus: Günter Eich, "Abgekürzte Dramaturgie des Hörspiels" (1968)


